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Alltag in einem fremden Land

Eine indische Ordensschwester bei Ihrer Arbeit in einem deutschen Krankenhaus.

Aus dem Leben einer indischen Ordensschwester in Deutschland

Aller Anfang ist schwer.
Ausgestattet mit ersten Deutschkenntnissen, die in Indien gesammelt wurden,
traten die jungen Inderinnen die abenteuerliche Reise in ein fremdes unbekanntes Land an um hier als Ordensschwestern Zeugnis für ihre Religion abzulegen.

Die ersten Monate waren der Vertiefung ihrer Deutschkenntnisse gewidmet – zwar fanden sie in ihren Konventen ein Stück Heimat in Gestalt ihrer Mitschwestern und den gewohnten Alltag im Konvent eines indischen Ordens, und die Sprache war im Umgang mit den Landsleuten die gewohnte indische Sprache bzw. Englisch. Jenseits der Klausur aber herrschte der deutsche Alltag:

- Verständigung in einer fremden und zugleich sehr schwierigen Sprache
- Oftmals kaltes oder regnerisches Wetter
- Umgang mit Deutschen, die oftmals mit Unverständnis und Ablehnung auf die Inderin in Ordenstracht reagieren
- Die ungewohnte Hektik und der Stress des deutschen Alltags
- Die oftmals reservierten bis unfreundlichen deutschen Mitbürger und ihr oft mangelndes Verständnis im Hinblick auf die fremde Kultur
- Die kühle deutsche Mentalität, die ihren Niederschlag nicht zuletzt auch im kirchlichen Leben findet ( schlecht besuchte Gottesdienste, mangelndes Gemeindeleben, Vereinsamung und Isolierung, Eigennutz und Neid, Konsumorientierung- nicht zuletzt schon bei den Kindern- und ständige Hektik und Stress)
- Oftmals herrscht Heimweh nach Indien, nach der Familie und dem Heimatkonvent.

Erst richtig schwierig erwies sich der Dienst im Krankenhaus bzw. in einem Altenheim. Sehr schnell wurde klar, dass der Patient bzw. Bewohner häufig nicht im Mittelpunkt steht – Personalknappheit, ausgeschöpfte Budgetansätze, Optimierung der Geräteeinsätze, gesetzlicher und interner Bürokratismus – Mitmenschlichkeit, ein freundliches Wort, ein gemeinsames Gebet oder ein fröhliches Lachen scheitert an Stress und hektischer Betriebsamkeit. Oftmals kommt der Konventsgedanken zu kurz, da von Ordensschwestern erwartet wird, dass sie bei Bedarf für Kollegen einspringen. Doch Bedarf herrscht praktisch immer, so dass kaum Gelegenheit besteht, ein geregeltes Ordensleben zu führen. Dies ist aber für die Schwestern unabdingbar.

Auf der anderen Seite ist trotz Spardiktaten alles im Überfluss vorhanden: moderne Technologie, Medikamente und Lebensmittel, hygienische Sauberkeit und absolute Ablauforganisation und Prozesssteuerung (alles Dinge, die in Indien, besonders im ländlichen Raum oftmals schmerzlich vermisst werden).

Im Laufe der Zeit haben die Ordensschwestern gelernt, ihre indische Mentalität mit all ihrer Gastfreundschaft, Freundlichkeit und Spontanität in den durchorganisierten, sauberen bis sterilen deutschen Alltag, mit all seiner Sauberkeit, Pünktlichkeit, Ordnung und Berechenbarkeit einzubringen. Dies wird von den Patienten, Kollegen und Vorgesetzten äußerst geschätzt und anerkannt, so dass der Einsatz ausländischer Ordensleute hier nicht mehr wegzudenken ist.

Als Fazit bleibt anzumerken:

Deutschland hat sich an seine ausländischen Ordensleute gewöhnt und sie sind in ihrer neuen Heimat angekommen.
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